Dopaminkick Garten!

Jaaa … das böse Handy, das schlimme Smartphone! Gerade ich als Waldorfmutter bin da rein ideologisch natürlich voll gegen. Handy ist fast so schlimm wie Fernseher. Ganz praktisch aber gehört es zu meinem Alltag. Diverse Apps und Instagram inklusive. Nichts desto trotz: Informationen, wie perfide Smartphones mir in Spielautomatenmanier gezielt meine Aufmerksamkeit rauben wollen, sind für mich so richtig schön gruselig. Die Entwickler von Handy, Tablet und Smartphoneapp lösen sehr bewußt mit der sporadischen Erfüllung der Verheißung, gleich passiere etwas ganz Wunderbares, Dopaminkicks beim Benutzer aus, um dessen Aufmerksamkeit zu gewinnen. Der Traummann, die krasse Schlagzeile, die mega Schuhe, in denen man sich sexy, klug und vollständig fühlen wird (worauf ich gerne reinfalle), und und und. Nicht zu wissen, was gleich geschehen wird, ist eben auch das, was nicht nur Handys, sondern ursprünglich auch Spielautomaten verführerisch macht. Und Spielautomaten sind ja bitte der Inbegriff der Triebhaftigkeit. Soziale Endstation in Kneipen, die Bürgerkrug oder Großmarktschenke heißen. Abgrundtief schlecht. Schmuddelig.
Aber läuft es in unserem Idyll, unserem Kleinod Garten nicht ähnlich ab? … vielleicht mit ein bisschen weniger Berechnung? Die Erinnerung an die Erfahrung im Hinterkopf irgendwo den Sämling einer tollen Staude, die langersehnte Blüte einer favorisierten Sorte, den ersten Austrieb einer im Herbst gesetzten Pflanze entdeckt zu haben, lässt mich tatsächlich mehrmals am Tag reflexartig, beinahe ferngesteuert meinen Garten abschreiten. In dieser Jahreszeit machmal nur, um mich vollkommen irrational vom Fortschritt eines Tages oder weniger Stunden zu überzeugen. Um nachzuvollziehen, ob die Gießmaßnahme am Morgen oder am Abend zuvor erfolgreich war. Ob der warme Tag oder der Regenguss nicht voll cool für die Pflanzen war, ob jetzt nicht etwas neues wahnsinnig spektakuläres passiert ist? Einfach nur um kurz vom Schreibtisch aufzustehen. All diese kreisenden Gedanken und Rituale lassen mich aufstehen, Schuhe anziehen und repetitiv die gleichen Strecken ablaufen. Häufig in einer erstaunlich hohlen Geisteshaltung, bis mir wieder einfällt, was ich gerade eigentlich checken wollte. Und noch eine Runde. Einfach Lust darauf, dass was krasses passiert ist. Will ich Garten etwa aus Sensationsgeilheit? Färbt die Benutzung des Smartphones vielleicht sogar schon auf andere Bereiche meines Lebens ab? Wie groß ist die Freude über die verhältnismäßig seltene kolossale Entdeckung? An welche davon erinnere ich mich noch? Und ist die Verbindung dieser beider Themen, Dopaminkick Handy und Dopaminkick Garten, nicht auch naheliegend, wenn man darüber nachdenkt, wie vielleicht der Mensch als Sammler funktioniert hat?

… Was meint ihr? Geht es euch ähnlich? Mit welcher Geisteshaltung seid ihr in eurem Garten unterwegs? Ich freue mich über Kommentare von euch!!!

 

Interviews mit Gartenpersönlichkeiten findet Ihr auf meiner Seite GRÜNES BLUT!

 

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