Nicht persönlich nehmen …

Mir fiel auf, dass mein Garten irgendwie immer hinterherhinkt. Ich verändere mich als Person mit meiner Gedankenwelt einfach zu schnell, als dass der Garten da mithalten könnte. Der Garten ist einfach nicht mein Medium. Fertig. Ich höre an diesem Punkt auf, mich mit seiner Gestaltung der mir anvertrauten 500qm ausdrücken zu wollen … und das ist echt befreiend.

Alles begann mit der Erkenntnis, dass der Garten immer das Ergebnis aus Überlegungen und der daraus resultierenden Haltung eines gestaltungswilligen Individuums ist. All diese in der Vegangeheit von mir gefällten Entscheidungen und daraus resultierenden Arbeitseinsätzen enstehen aus Gedanken wie: Was ist Garten ganz phaenomenologisch für mich? Welche Pflanzen verwende ich? Möchte ich damit dem Naturschutz dienen oder will die Pflanze selbst einfach nur mega finden? Wie gestalte ich den Garten räumlich? … und auch in der Art und Weise wie ich mich um meinen Garten kümmern kann und möchte findet sich meine Haltung von einst wieder, denn natürlich fand ich bis vor kurzen gießen noch vollkommen verachtenswert, wozu ich gerade übrigens eine Kolumne schreibe.

Im Prinzip werde ich in meinem Garten permanent mit einer vergangenen Version von mir selber konfrontiert. Problem ist nur, dass ich natürlich daran glauben möchte, dass ich mich tagtäglich verbessere, dass meine Gedanken reifer werden, selbst wenn sie am Ende wieder zu einer Erkenntnis gelangen, die ich schonmal mit 20 gehabt haben mag. Tatsächlich verändere ich mich als Person scheinbar aber schneller als Pflanzen einwachsen und groß werden. Bis es soweit ist, finde ich andere Gehölze cooler, andere Stauden oder Pflanzarten schöner, verwerfe ich Gedanken in meinem Garten aktiv Naturschutz und Insektenrettung betreiben zu müssen. Wenn ich in den letzten Jahren in meinen Garten ging und mich umschaute, fühlte ich ganz oft ein „Wie konnte ich nur?“ was in einem „Kein Bock an diesem bek***ten Beet noch was dran zu machen“ endete. Womit ich eigentlich immer recht happy war, ist die räumlich Gliederung, um auch mal was Schönes zu sagen 😉 Unterschwellig war ich natürlich immer auf der Suche nach MEINEM eigenen Konzept, an dem ich mal länger als von der einen zur nächsten Pflanzzeit festhalten konnte und jede Menge ungute Gefühle stiegen in mir auf, wenn ich es wagte davon abzuweichen. Inkonsequent war das. Böse! Der innere Aufruf zur Selbstgeißelung inklusive – scheine ich irgendwie drauf zu stehen … zu viele Gottesdienste in der Jugend vermutlich, aber das ist vielleicht ein anderes Thema. Um es kurz zu fassen: der Umgang mit meinem Garten war bis zu diesem Aha!-Erlebnis emotional oft sehr anstrengend für mich, zumindest nüchtern. Die Tatsache, dass man im Garten doch auch abschalten und genießen können sollte, machte es nicht besser. Ist mir klar, dass man jetzt sagen könnte, dass es doch toll wäre diesen Blick in die eigene Vergangenhiet zu umarmen, das ganze als die eigene Chronik zu verstehen usw. … Fakt ist, an diesem Punkt bin ich nicht … und vermutlich würde das bei mir zu unglaublich viel Genügsamkeit führen und mir ne Menge Drive im Leben fehlen, wenn ich ich das „könnte“.

Jetzt aber ist die Erkenntnis dank meines Austauschs mit Andreas zu dem Thema da. Katsching, Groschen gefallen. Der Garten ist nicht mein Medium! Und das bedeutet, dass ich dafür auch kein eigenes Konzept brauche. Ich mache jetzt einfach Dienst nach Vorschrift. Der Garten is für mich ab jetzt nur noch Deko, bei der Pflege spule ich den Standart runter. Kopf endlich aus – sehr angenehm – ich höre aktiv damit auf mich mit meinen Garten identifizieren zu wollen. Es ist großartig. Als nächstes kommen Klamotten dran 🙂 Und meine Medium finde ich auch noch …

Kommentare

  1. Liebe Anke

    Du überschätzt Deinen Einfluss auf Deinen Garten. Und es ist eine Überforderung von Dir und Deines Gartens, wenn Du Dich mit ihm vor allem „ausdrücken“ möchtest oder ihm zu grosse Aufgaben wie die Rettung der Welt aufbürdest. Alle Pflanzen, Pflanzengemeinschaften, das System Garten mit all der Flora und Fauna ist eigensinnig. Dazu kommen Einflüsse des Klimas, des Wetters, Blattläuse, eigene Fehleinschätzung und vieles mehr. Im Idealfall stößt Du etwas an im Garten, mit wenig oder unendlich viel Aufwand. Wenn Du einem Garten Freiraum lässt, den zeigt er Charakter, Vielfalt, Eigendynamik, Zufälle, unendlich viel mehr als Du Dir je ausdenken kannst. Loslassen, gewähren lassen und den Garten nicht als Dein Werk sehen, sondern als ein ganz eigenes Wesen, welches nicht dominiert werden möchte, sondern allenfalls von Dir sanft begleitet werden möchte. Dann entwickeln Gärten eine Seele, dann hast Du im Garten, in all den Lebewesen Freundinnen und Freude, mit denen Du kommunizieren kannst, die Dich überraschen, beglücken, berühren können. In diesem Sinne wünsche ich Dir Geduld und Gelassenheit und tausend neue Blicke auf Deinen Garten.

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    • Lieber Joachim, habe eine weile über deine Zeilen nachgedacht. ich kann das emotional leider nicht nachvollziehen … ich sehe das schon so, dass cih auf basis meiner besseren oder schlechteren einschätzung des standorts mit den garten mit meiner pflanzen auswahl stärker oder weniger stark prägen kann. tatsächlich ist es ja fast wie ein wette … am besten wir sprechen am samstag mal darüber 🙂 lg und auf bald! Anke

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  2. Ooops, ich muss deinen Beitrag erstmal verdauen, kann aber spontan nur so viel sagen, dass ich das mit dem Garten voll und ganz wie J. Hegmann sehe. Mit zu großen Ansprüchen überfordert man sich nur selbst…und die Welt oder irgendjemanden retten kann man sowieso nicht. Ich glaube, die letzten Jahre fordern ihren Tribut. Für mich ist der Garten eine rettende Insel in dieser irren Welt. Die Koexistenz ist nicht immer smooth, aber das ist keine Beziehung. Wichtig ist der gegenseitige Respekt, die Neugier, die Liebe, die Akzeptanz, das Loslassen. Nichts währt ewig, alles ist im Wandel. Nichts ist perfekt oder jemals fertig. Ich kenne da ein nettes Buch zu dem Thema 😉…Dienst nach Vorschrift, das ist schrecklich – da entgeht dir echt was. Ich habe aber irgendwie das Gefühl, dass dich bei alldem andere Dinge bewegen, die mit dem Garten recht wenig zu tun haben. Vielleicht die Suche nach den Wurzeln, deinem Weg in der Zukunft, deinem persönlichen Sinn. Alles hat seine Zeit, und wenn es jetzt nicht die des Gartens ist, dann ist es auch okay. Trag dir Sorge, Annette

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