die zUkunft dEr gaRtenKuLtur

alles ist verschoben … und ich denke ich habe etwas begriffen. etwas was ich damals nicht verstand, als hans von trotha es mir schrieb. dass das perennial movement eine schnell erzählte geschichte sei, das ja … aber ich konnte nicht sehen, wie er im urban gardening eine mögliche zukunft der gartengeschichte sehen konnte. aber jetzt sehe ich es auch. vielleicht anders als er, ich weiß es nicht, aber ich sehe sie.
es ist ein anderer mensch, der in dieser zukunft in den garten gehen wird und er wird andere dinge tun als rosen schneiden oder pflanzen nach struktur und textur wie landschaften zu organisieren. er interessiert sich nicht für gartengestaltung. es geht um was anderes, glaube ich. vielleicht ist es anarchie und aufklärerisches gedankengut: eigene maßstäbe und die verantwortung des einzelnen, die da übernommen werden soll. es geht um die loslösung aus produktionsketten. man will die kontrolle zurück, die man sukzessive in den letzten jahrzehnten abgegeben hat. selbst bestimmen, wie die eigenen nahrungsmittel produziert werden, so wie dieser mensch vielleicht auch das finanzsystem hinterfragt und sich neuen zahlungsmitteln öffnet, in einer welt, in der mit big data alles überwacht wird. mein kaufverhalten, meine bewegungsmuster … alles wollen und kriegen sie von mir, ob ich nun Thor habe oder nicht. und plesantville-mäßig macht mutti die blümchen. sie geht darin auf, wenn sie sieht, wie die viele kleine insekten und krabbeltiere sich da wohl fühlen. wie gesagt, alles ist verschoben. entrückt. fragil.
gerd fragte mich auf der pfaueninsel, was ich denn so anbaue auf meiner scholle … und da war es dann, zum ersten mal, das gefühl in bezug auf meinen garten. scham. was bin ich doch für eine verzogene, den hals nicht voll kriegende göre … ich bin ein mensch, der ein stück land zur freien gestaltung bekommt. was macht ein mensch damit, wenn er sich wie ein mensch verhält – man überlege sich, was er in den meisten teilen der erde damit täte, was er in den letzten 10.000 Jahren seiner entwicklungsgeschichte damit gemacht hätte? er würde auf diesem stück land wohl seine nahrung anbauen … natürlich. aber was tue ich? ich umhege blühpflanzen und gebe alle verantwortung über einen großteil der von mir benötigten lebensmittel ab … an irgendwen, der sich kein bisschen für mich interessiert, der sich nur für sich interessiert, der verdient wenn er mehr verkauft, der scheiße drauf kippt und gift spritzt, das die viehcher tötet, damit er es an noch mehr menschen, die ihre verantwortung dafür abgeben, verkaufen kann … und ich mache mir stattdessen lieber gedanken darüber welche blumen gut zueinander passen und freue mich, dass es drei oder vier wildbienchen in meinen garten geschafft haben. ist schon krass eigentlich. klar siehts schön aus, bei dem aufwand. aber das macht mich nicht satt. ich decke doch mit so einem garten kein grundbedürfniss. was hängt denn da noch für ein rattenschwanz dran? und wie wäre es, wenn wir alle die verantwortung annähmen und an stelle von lebenden pflanzentabellen vielleicht permakutur studierten? vielleicht gingen wir dank der fürsorge für die eigenen lebensmittel dann auch anders mit unserem vieh um? wie sähe dann vielleicht unsere kulturlandschaft aus? hätte die ganzen Insekten nicht dort wieder ihren angestammten platz? ich frage mich also: wie hoch darf der preis für schönheit eigentlich sein und kann man einen solchen garten überhaupt moralisch zukünftig vertreten? … und verstecken wir uns doch nicht hinter diesen naturgärten. was ist denn mit uns los, dass wir uns nich in einer human und universell vertretbaren haltung an die erste stelle setzen können? machen wir es nicht hier werden wir es woanders tun. auf hässliche weise. so wie es eben oft passiert … so hinten rum. verschoben eben. wir sollten uns gerade hinstellen und den ganzen scheiß bei null anfangen und uns die verantwortung in den ganz grundsätzlichen dingen wieder zurückholen, wenn wir ins gleichgewicht kommen wollen. wirklich wieder bei a anfangen, wenn wir das ganze ding hier nachhaltig aufsetzen wollen … und ich glaube, ich hoffe, so scheint es mir … all das haben urban gardener bereits verstanden.

Kommentare

  1. Sicherlich – du hast recht. Und das gibt ja sogar Hoffnung.
    Aber! Ich will irgendwo in dieser hässlichen, von Konsum und Gier und Macht zerstörten Umwelt auch ÄSTHETIK! SCHÖNHEIT! ZUSAMMEN PASSENDE PROPORTIONEN! Sonst halte ich es da draussen nicht aus.

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  2. Sicherlich – du hast recht. Und das gibt ja sogar Hoffnung.
    Aber! Ich will irgendwo in dieser hässlichen, von Konsum und Gier und Macht zerstörten Umwelt auch ÄSTHETIK! SCHÖNHEIT! ZUSAMMEN PASSENDE PROPORTIONEN! Sonst halte ich es da draussen nicht aus.

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    • ja, ich finde den gedanken auch eher tröstlich. aber ich glaube, dass sich ähnliche gefühle wie beim insekten bestaunen und blumen bewundern einstellen, wenn man sieht wie das eigene gemüse und obst sich entwickelt. und ein permakulturgarten im zusammenspiel mit der fauna kann ja auch sehr schön aussehen … ich glaube einfach, dass dann manche dinge, manche eigenschaften und fähigkeiten, die der mensch mitbringt so erfüllender eingesetzt werden und nicht in einer art übersprungshandlung landen. vieles käme an seinen angestammten platz, psychische und physiologische Bedürfnisse würden besser erfüllt.

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