Rosen, Rost und Sternrußtau

Seitdem ich mich neuerdings auf diversen Gärtnerforen herumtreibe, stoße ich zum Thema Rosen wiederholt auf die Frage: was ist das für ein Pilz und was kann ich da machen? Es werden viele Tipps gegeben, die überwiegend auch dem Wohle der Rose entgegen kommen: immer schön die befallenen Blätter aufsammeln, Standort hell und luftig, nicht über die Blätter gießen und so weiter… ja, Rosen scheinen so unglaublich kompliziert; das dachte ich vor meiner Ausbildung auch und es reizte mich, so dass ich mir die damals noch bestehende Rosenterrasse des Homburger Schlossgartens als Wirkungsgebiet aussuchte, mit allem was an Mittelchen und Kulturmaßnahmen dazu gehört.
Mittlerweile habe ich nach eigenem Ermessen ausreichend Erfahrung mit der Kultur von Rosen gesammelt, so dass ich zum Thema "Rosen und Pilze" auch meine Meinung in Form eines Gedankenanstoßes dazu geben möchte.
Bei der Rosenterrasse, die ich als Gärtnerin hegte, handelte es sich um mit Buchs umpflanzte, rechteckige Beetflächen, mit der jeweiligen Rosensorte als Monokultur. Darunter waren Polyantha- und Floribundarosen, Edelrosen, Portlandrosen, Damaszener; sowohl historische als auch moderne Rosen waren vertreten. Und auch auf den meisten Fotos, die die Frage ans Forum unterlegen sollen, blickt der Betrachter meist auf nackte Erde. Schonmal schwierig. Monokultur ist böse. Präventiv brachten wir im Schlossgarten alle zwei Wochen Ackerschachtelhalm aus und wöchentlich Biplantol Rosen, ein homöopathisches Mittel vom Bodensee. Jeden Montag wurde Verblühtes und Totes abgeschnitten, so dass kein Totholz und keine verwundeten Pflanzenteile die Rose schwächten oder den Pilzen Angriffsflächen boten. Zudem gehörte es zum wöchentlichen Programm die Blätter aus den Beeten zu sammeln, die Erde zu lockern und Beikräuter zu entfernen. Auf die richtige Giftkeule konnten und wollten wir ohne wirtschaftlichen Druck im Nacken weitgehend verzichten. Score habe ich mal gegen Mehltau ausgebracht. Unangenehm. Jedenfalls hatten wir unabhängig der Witterung jedes Jahr im Juni Läuse, die von alleine verschwanden und jedes Jahr hatten wir Blätter mit Pilzbefall… und auch in anderen Schlossgärten wie der Pfaueninsel, Sanssourci usw. sah es nicht groß anders aus. Auf der Mainau spritzte man, soweit man mich informierte, gegen Rost mit Kupfer. Nichts für mich.
Im heimischen Garten machte ich einiges grundlegend anders als im Job. Ich tat nämlich nichts, vom richtigen Pflanzen und Standort mal abgesehen. Rose gesetzt, Stauden und Gräser drum herum, Boden also beschattet, unschöne Rosenbasis verdeckt und Erwartungshaltung angepasst. Ähnlich wie bei Stauden, Gehölzen und Co. waren unversehrte Blätter nicht das erklärte Ideal. Und Tatsache: den wenigen Sternrußtau nehme ich nur war, wenn man mich danach fragt und ich so mit der Nase darauf gestoßen werde. So wie sich die Blätter der Gehölze im Laufe der Vegetationsperiode verfärben, von frisch zu sattgrün, gelb, rot, orange… so verfärben sich eben auch die Blätter meiner Rosen. Sie sehen dann irgendwie schon etwas herbstlich aus. Jedes Jahr aufs Neue, jedes Jahr nicht schlimmer oder gruseliger als im vorherigen Jahr, obwohl ich keine Blätter aufsammle, nicht sauber schneide und ich weder präventiv noch im Schadensfall diverse Mittel oder Dünger ausbringe… und sogar die wirklich empfindliche, als erste Edelrose geltende "La France", kommt zwischen Katzenminze, Pennisetum und Echinops, jedes Frühjahr verhältnismäßig vital und zuverlässig wieder.
Ich sage also: Leute entspannt euch… erfreut euch an den Blüten und ärgert euch nicht über ein paar gelbe Blätter. Einer Rose muss man was zutrauen. Betrachtet sie im Kontext. Macht sie nicht zum Problemkind. Sie ist robust, insbesondere dann, wenn sie zusagende Gesellschaft hat.

3 Gedanken zu “Rosen, Rost und Sternrußtau

  1. Gartenstreifzug schreibt:

    Hallo,
    sehr interessanter post! Und vor allem ist die richtige Sorte das Kriterium. Mittlerweile ist es nicht mehr notwendig krankheitsanfällige Rosen zu kultivieren bei der riesigen Auswahl an Sorten die äußerst robust sind. Ein Profi weiß natürlich auch mit empfindlichen Diven umzugehen 😉
    VG Arlene

    Gefällt 1 Person

    • Anke Joseph schreibt:

      Stimmt Arlene, die Sortenwahl ist ein wichtiger Aspekt… jedoch nicht nur „mittlerweile“. Gerade im historischen Sortiment finden sich wirklich viele unverwüstliche Sorten, viele davon mit wahnsinnig gutem Duft. Die könnte ich mit Nase und Augen auffressen 🙂

      Gefällt 1 Person

  2. Edith schreibt:

    Tja, so kann man es auch sehen. Ich habe so langsam irgendwie die Nase voll von Rosen. The Fairy zum Beispiel blüht gut und ist völlig gesund. Meine Rosen de Resht – drei Stück an der Zahl – sehen nicht gut aus: Rost oder Sternrußtau. Ich überlege, sie aus meinem Garten zu entfernen. Gift im Garten lehne ich grundsätzlich ab.
    Liebe Grüße
    Edith

    Gefällt 1 Person

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